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Franz Roitner

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Costa Rica: Nachtspaziergang bei der Nicuesa Lodge

Alle guten Dinge sind drei und so breche ich heute Abend nochmals mit einer kleiner Gruppe und dem Guide José zu einem Nachtspaziergang auf. Ich befürchte das allerschlimmste. Nicht wegen der möglichen Tierbegegnungen, sondern wegen der anderen Gäste. Drei amerikanische Ehepaare sind bei der Tour dabei. Schon beim Abendessen (in der Nicuesa Lodge speist man an einem großen gemeinsamen Tisch) kommen mir Bedenken.

Mond Costa Rica

Ich nenne sie mal Lizzy, eine der Ehefrauen so um die 55 Jahre. Völlig aufgedreht und nervös fragt sie José, ob wir hoffentlich keine Schlangen sehen werden, denn sie fürchtet sich davor. Ich möchte gerne Schlangen sehen, deswegen bin ich im Regenwald in der Nacht unterwegs. Und Socken, Lizzy hat keine Socken mit, das ist ihr größtes Problem, und ohne Socken kann sie in den von der Lodge bereitgestellten Gummistiefeln nicht gehen. Die Wege sind derzeit sehr matschig und ich greife gerne auf das Gummistiefelangebot zurück. Lizzy trägt ein hellgrünes Sommerkleid und hat jede Menge Armreifen, Ringe, Ohrstecker und Halsketten.  Ich trage Zipphose und ein beiges unauffälliges Funktions T-Shirt. So richtig passt Lizzy nicht in den Regenwald. Mit ihrer lautet schrillen Stimme übertönt sie jedes Tischgespräch. Hoffentlich kommt Lizzy nicht mit auf die Tour. Sie überlegt zwar hin und her, geht aber trotzdem mit, ihr Mann bleibt zurück, der trinkt lieber einen Rum an der Hotelbar.

Tausendfüssler Heuschrecke

Wir starten in die Nacht. Gleich hinter der Lodge treffen wir auf die erste Kröte. „Oh my honey, your so sweet,“ kreischt Lizzy durch den Regenwald. Ich versuche in Ruhe zu fotografieren und hoffe der Frosch ergreift nicht die Flucht. Ich an seiner Stelle hätte es getan. Ein Opossum aus der Familie der Beutelratten sitzt auf einem Baum und scheint von unseren Taschenlampen irritiert zu sein. Noch nie habe ich ein Opossum gesehen. Ich freue mich über die Tiersichtung. Lizzy beeindruckt das nicht sonderlich und beginnt zu singen. Die anderen Amerikanerinnen stimmen mit ein. Eigentlich sollten wir durch den Wald schleichen, damit wir keine Tiere verscheuchen. Lizzy singt sich wahrscheinlich die Angst aus dem Leib.

Opossum Kröte

Wow, direkt neben dem Weg sitzt eine junge Greifschanz-Lanzenotter in einer Astgabel. Ich wage mich auf 50 cm an das Tier heran. Diese Schlangenart ist hochgiftig, der Mensch ist aber kein direkter Feind und so ignoriert sie uns. Man sollte nur nicht das Pech haben und diese Vipernart aus Versehen beim Wandern durch den Regenwald anstreifen oder sie erschrecken. Die Schlagen sind gut getarnt und hängen oft versteckt an Pflanzen. Das kann böse ausgehen. Lizzy steht jetzt schweigend daneben. Das Singen ist ihr vergangen und sie will nach ein paar weiteren Minuten zur Lodge umkehren. Ist wohl doch kein Disneyland hier.

Lanzenotter Costa Rica

So sehr habe ich mich auf diesen Nachtspaziergang gefreut und nun bricht José die Tour wegen Lizzy ab. Was macht jemand im Regenwald, wenn man sich überhaupt nicht für die Tierwelt interessiert, frage ich mich. Die Gruppe kehrt um. Ich bin so verärgert und bleibe alleine zurück.

Spinne Kakerlake

Den Weg finde ich alleine und eine Taschenlampe habe ich ja mit. In aller Ruhe leuchte ich mich von Blatt zu Blatt, von Baum zu Baum zurück. Es raschelt überall. Ich erschrecke. Das Opossum läuft mir plötzlich über den Weg. Es erschrickt ebenfalls. Ich fotografiere noch Spinnen und Insekten. Nach einer halben Stunde kommt mir José aufgeregt entgegen. Besucher alleine in der Nacht im Regenwald, das geht gar nicht. Für mich waren es jetzt besonders aufregende 30 Minuten, dank Lizzy.

Frosch bei Nacht