Reisedoktor

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Franz Roitner

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Blogbeiträge nach Ländern

Botswana - alleine in der Kalahari

Das Central Kalahari Game Reserve ist das größte zusammenhängende Wildschutzgebiet in Afrika. Die Fläche ist etwa so groß wie Slowakei. Mit meinem Bushlore Landcruiser mache ich mich bei Sonnenaufgang auf den Weg. 

Matswere Gate Kalahari Pisten in der Kalahari       

Die Weite scheint unendlich zu sein. Die Tierdichte ist momentan nicht so hoch wie im Chobe Nationalpark an der Riverfront. Das Wasser aus der Regenzeit ist bereits versickert und die „Pans“ sind vollkommen ausgetrocknet. Von Wasser weitgehend unabhängig leben hier Oryxantilopen und Springböcke.

Oryx Antilope Springböcke Kalahari

Lustig zu beobachten sind die Löffelhunde. Deren Ohren sind fast so groß wie der gesamte Kopf. Wenn sie ihre Ohren anlegen, sehen sie fast so aus wie Golum aus dem Film Der Herr der Ringe.

Löffelhund

Stundenlang kurve ich den gesamten Tag auf den Sandpisten herum. Erst am Abend begegnet mir ein weiteres Auto. Ein paar Campingplätze liegen weit verstreut in der Kalahari. Mein Stellplatz ist nur für ein  Auto zugelassen. Die nächsten Camper sind also mindestens 20 km weit entfernt.

Streifenhörnchen Central Kalahari Game Reserve

Mit der untergehenden Sonne verschwindet auch das Zwitschern der Vögel. Ich erinnere mich daran, dass meine neue Stirnlampe am Haltegummi eine kleine Pfeife integriert hat. Ich blase vorsichtig hinein und Sekunden später taucht ein Falke über mir auf und scheint die Lärmquelle prüfen zu wollen.

 Je dunkler es wird, umso mehr Sterne kommen zum Vorschein. Die Luft ist vollkommen trocken, kein Streulicht weit und breit, keine Luftverschmutzung. Der Sternenhimmel beginnt immer mehr zu leuchten. Dazu vollkommene Stille. Alleine mitten in der Natur. Es ist eine Ehre und ein Geschenk heute hier sein zu dürfen.

Sonnenuntergang Kalahari

Botswana - Camping im Moremi Game Reserve

Mein heutiger Campingplatz am North Gate im Moremi Game Reserve ist wie viele andere in Botswana nicht eingezäunt. Mit Tierbesuchen ist zu rechnen. Nach über zwei Wochen Camping habe ich Routine im Lagerfeuer machen und habe schon stundenlang in die Glut geschaut. Das ist spannender als jedes Fernsehprogramm.

Moremi North Gate North Gate Moremi Camping

Das Lagerfeuer wärmt mein Gesicht. Der leichte Wind dreht sich immer wieder und bläst mir den Rauch entgegen. Um nicht dem Erstickungstod zu erliegen, rücke ich mit meinen Campingsessel wie bei der Reise nach Jerusalem ständig um das glühende Holz.

Lagerfeuer Botswana

Immer wieder raschelt es im Gebüsch. Anfangs leuchte ich noch gespannt mit meiner Taschenlampe um etwaige Tiere zu erkennen. Mit der Zeit gewöhne ich mich aber an das Rascheln. Es ist stockdunkel und außer dem Lagerfeuer und meiner Taschenlampe gibt es kein Licht. Plötzlich höre ich ein Geräusch das irgendwie anders klingt. Größere Äste vom Buschwerk scheinen sich zu bewegen. Ich leuchte mit meiner Lampe auf die Stelle.

  Hyäne bei Nacht 

Eine ausgewachsene Tüpfelhyäne mit einer Schulterhöhe von geschätzten 80 cm kommt zwischen den Zweigen hervor. Die beiden Augen reflektieren mein Taschenlampenlicht. Die Hyäne schaut mich an, macht einen Bogen um mich und schleicht wieder davon. Zweimal dreht sie sich um und schaut in meinen Lichtkegel. Dann verschwindet sie im Dunkeln der Nacht. Mein Puls ist auf 200. Ich schreite die Distanz zu den Fußspuren ab und messe acht Meter Entfernung. Der nächste Campingstellplatz ist rund 70-80 Meter entfernt, mein Campingfahrzeug und ich sind quasi von Büschen umgeben. Wie viele Tiere mögen hier in der Nacht herumschleichen?

Moremi Game Reserve Xakanaka Camping

Am nächsten Tage beziehe ich den Xakanaxa Campingplatz im Moremi Nationalpark. Mein Stellplatz liegt hinter hohem Schilfgras direkt am Wasser des Okavangodeltas. Ich inspiziere die Fußspuren im Sand. Ein Elefant dürfte heute schon durch das Camp gegangen sein. Antilopenspuren, wahrscheinlich von Impalas, sind ebenfalls gut zu erkennen. Auch Spuren von einem Löwen finde ich auf der Zufahrt. Vögel zwitschern und singen in den Bäumen. Ein Specht klopft unaufhörlich in dem großen Baum hinter mir. Affen laufen in Sichtweite vorbei. Im Hintergrund höre ich die typischen Geräusche von Flusspferden. Was hat Mutter Natur sich nur bei den Lauten der Hippos gedacht?

Flusspferd - Mensch - Elefant Löwenspur

Die dritte und vierte Nacht im Moremi Game Reserve verbringe ich im Third Bridge Campsite. Der Platz im Nationalpark liegt hinter der gleichnamigen Brücke, von der derzeit nur die Hälfte übrig geblieben ist. Den zweiten Brückenabschnitt fahre ich durch 70 cm tiefes Wasser. Ich spüre die Holzbalken im Wasser.

Third Bridge Campsite

Ich sitze beim Lagerfeuer und höre wieder den Flusspferden zu. Die Laute sind ganz in der Nähe. Nachts kommen die Tiere an Land um zu fressen. Mit meiner Taschenlampe sehe ich ein Koloss im Gebüsch an meiner Campingstellfläche vorbeigehen.

Flusspferd bei Nacht

Ich blicke auf meine Uhr, es ist 3:35 Uhr früh. Von weitem höre ich das Brechen von Ästen. Elefanten dürften in der Nähe sein. Ich lausche dem lauten Knacken des Holzes und dem Rascheln der Blätter. Plötzlich höre ich nahe Geräusche. Schleicht hier jemand ums Auto herum? Außer ein paar Campingplatzbesucher sind wir mitten in der Wildnis. Das sind keine Menschen.

Neugierig öffne ich den inneren Reißverschluss von meinem Dachzelt. Dann den Reißverschluss des Fliegengitters. Mein Taschenlampe habe ich griffbereit. Unglaublich, ein Leopard schleicht am Stellplatz herum. Ich dürfte ihn aber gestört haben und er geht langsam davon.

Leopard bei Nacht

Der Leopard war kein Traum. Den Rest der Nacht träume ich aber von Tieren, die ich von meinem Zeltfenster aus beobachte. Die Campingplätze in Botswana sind meist sehr groß. Den Nachbarn sehe ich oft gar nicht. Zu den Duschen und zum WC fahre ich in der Früh mit dem Auto. Die Straße bleibt heute ein paar Minuten von Elefanten blockiert. Denen habe ich es zu verdanken, dass ich in der Nacht aufgewacht bin und den Leopard gesehen habe.

Blick aus dem Dachzelt Campingplatz Elefanten

Botswana - Katzenglück in der Savuti Region

Punkt 14:30 Uhr starte ich meinen Bushcamper. Sonnenaufgang und -untergang sind für Tierbeobachtungen die beste Uhrzeit. Bei Einbruch der Dunkelheit um etwa 18:00 Uhr muss ich wieder am Campingplatz zurück sein.

In der Region Savuti im Chobe Nationalpark gibt es viele Fahrwege um die Umgebung zu durchstreifen. In der letzten Woche habe ich jede Menge Elefanten, Büffel, Zebras, Flusspferde, Antilopen und noch viele weitere Tierarten gesehen und ausgiebig fotografiert. Es ist immer wieder schön, diese Tiere anzutreffen und zu beobachten.

Savuti Botswana Pirschfahrt in Botswana

Der Höhepunkt einer jeden Tiersafari ist aber der Antreffen von Großkatzen. Dazu gehört eine Portion Glück. Ich fahre mit 20-30 km/h auf den Sandwegen und halte Ausschau. Ich erschrecke. Gleich neben dem Fahrweg steht ein Baum und es zeigt sich ein eleganter Katzenrücken.

Ein Gepard, flüstere ich aufgeregt vor mich hin. Aufgrund der schlanken Körperform und der schwarzen Tupfen ist dieses Tier einfach zu identifizieren. Wie aus dem Nichts taucht ein paar Sekunden später ein zweiter Gepard auf.

Gepard in Savuti

Beide fühlen sich gestört und gehen Richtung Hauptstraße. Ich fahre zurück und habe so das Glück beide Geparden nochmals zu sehen.

Gepard im Chobe Gepard Botswana

Ich atme kurz durch und freue mich über diese seltene Tierbegegnung. Die Ausfahrt hat sich schon gelohnt. Alles was jetzt noch meinen Weg kreuzt, ist eine Zugabe. Keine zehn Minuten später stehe ich bei einem Wasserloch und entdecke eine Löwin, die auf dieses zusteuert. Ich nähere mich von der anderen Seite und beobachte das Tier beim Wasser trinken.

Löwe Savuti

Meine Anwesenheit scheint die Löwin in keinster Weise zu stören. Stolz und selbstbewusst steuert die Königin der Tiere auf mein Auto zu, schenkt mir noch einen arroganten und verächtlichen Blick und geht auf der Straße davon. Ich fahre mit einem respektvollen Abstand hinterher. 

Ich folge der Löwin rund 10 Minuten auf dem sandigen Weg. Dann steigt sie auf einen kleinen Felshügel mit dem Namen Lepard Rock und verschwindet. Wow, was habe ich heute für ein Glück, aber eigentlich müsste der Felsen Lions Rock heißen, denn einen Leoparden habe ich hier noch keine gesehen.

Löwe beim Trinken Löwe Botswana

In der Ferne sehe ich zwei Autos die Fahrzeugfront zueinander am Wegesrand stehen. Dort gibt es sicher was spannendes zu sehen. Zwei, drei Minuten später bin ich auch schon dort und ich traue meinen Augen nicht.

Leopard Savuti

Ein Leopard liegt am Boden und erledigt seine „Katzenwäsche“.

Leopard Chobe Leopard Botswana