Reisedoktor

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Franz Roitner

Myanmar - Ausflug zu den Chin Villages

„Do you need a toilet?“ fragt mich mein Guide Tom, bevor wir ein kleines Boot besteigen. Ich schließe daraus, dass es an Bord keine Toilette gibt und suche noch die sogenannte Toilette in der Nähe der Bootsanlegestelle auf. Mehr als ein Erdloch finde ich nicht vor. Wenig später sitze ich bequem in meinem Liegestuhl auf einem überdachten Langboot und los geht meine Bootsreise zu den Chin Villages.

Bootsfahrt Chin Dörfer

Wir fahren flussaufwärts. Große Flosse kommen uns entgegen, lassen sich mit der leichten Strömung treiben und transportieren auf diese Weise Bambus- und Teakholz Richtung Meer. Fischer hantieren auf kleinen Booten mit ihren Netzen. Frauen waschen ihre Wäsche. Es ist angenehm warm und ich genieße die leichte Brise des Fahrtwindes auf meiner Haut. Einzig das laute Schnattern des Dieselmotors stört die idyllische Stimmung.

Fluss Myanmar Boot Chin Village

Wir legen an. Nach rund 2,5 Stunden gehe ich an Land und marschiere den sandigen Weg hinauf zum ersten Chin Village. Zur Regenzeit ist der Fluss einige Meter höher. Ich befinde mich im einem Dorf der Chin, einer großen Volksgruppe im Staat Myanmar. Laute Musik tönt aus den Lautsprechern. Ein Fest ist in Gang. Auf einem Plakat wird mir der geplante Klosterbau gezeigt. Heute ist die „Grundsteinlegung“ und entsprechend wird gefeiert.

Chin Dorf

Ich überzeuge mich selbst und sehe einen drei Meter hohen Stahlkorb in etwas Zement befestigt. Ansonsten stehen alle Häuser auf Holz- und Bambuspfählen. Das Kloster soll sicher besonders schön werden. Ein Frau reicht mir ein Teller mit Melonenstücken und ich werde zum Essen eingeladen.

Leider bin ich noch vom Frühstück satt, will aber nicht unhöflich gelten und nehme mir ein Stück. Dann überlege ich wie das riesige Kloster auf dem Plakat auf dem kleinen Grundstück Platz haben soll. Das kann sich nicht ausgehen, trotzdem spendiere ich fünftausend Kyat für den Bau und der Gastfreundschaft.

Chin Dorf Baustelle Chin Dorf Klosterplan

Zehn Bootsminuten weiter treffe ich auf alte Chin-Frauen mit den bekannten Gesichtstätowierungen. Einer Legende nach ließ vor knapp 1000 Jahren der König viele schöne Chin Frauen für seinen Palast entführen. Um dem entgegenzutreten wurden alle jungen Mädchen mit Tätowierungen im Gesicht unattraktiv gemacht. Diese Tradition hielt sich viele hunderte Jahre und findet nun ein Ende. Die jüngsten Frauen mit den markanten Gesichter sind schon über 60 Jahre alt.

Chin Frau Tätowierung

Im nächsten Dorf geht es geschäftiger zu. Tätowierte Frauen begrüßen mich und alle leiten mich zu ihren Häusern. Verkauft werden schmale Schals in grellen Farben. Zu rau um sie zu tragen, aber als Dekoration, zum Beispiel als Tischvorleger, durchaus brauchbar. Um nicht einfach nur fotografierend durch ein Dorf zu laufen, gebe ich meinen Beitrag und kaufe einer Familie einen Schal ab.

Seidenweberin Chin Dorf Myanmar

Eine mit einer Spinnenwebe tätowierte Frau um die 80 unterhält sich mit meinem Guide. Eine mindestens genau so alte und sichtlich schon fast blinde und ebenfalls tätowierte Frau gesellt sich dazu. Ihr Mann liegt ein paar Meter weiter hinten und schläft. Daneben webt die Schwiegertochter einen weiteren, sehr bunten Schal.

Eine Freundin vom Nachbarhaus ist ebenfalls da und säugt ihr Baby. Eine weitere junge Frau sitzt mit einer Myanmar-Zigarette im Plastiksessel. Keine Ahnung welches Kraut sie da raucht, es scheint aber ziemlich entspannend zu wirken.

Chin Village Myanmar Chin Village

Mit meinem Guide als Übersetzer entsteht ein interessantes und sehr lustiges Gespräch mit der versammelten Gruppe. Es geht um Männer, die in dieser Gegend manchmal eine zweite Frau heiraten. „Man teilt sich das Frühstück, aber doch keinen Mann“ wirft die sehbehinderte Frau ein.

Für die modernen Verhütungsmethoden der jungen Frauen hat sie kein Verständnis. „Die Kinder sollen kommen, wie sie kommen“, meint sie. Die Schwiegertochter sieht das anders, drei Kinder sind ihr genug.

Chin Dörfer Bootsfahrt

Myanmar - Mrauk U – Tempel, Stupa oder Pagode

Tempel, Stupa oder Pagode? In meiner Reiseliteratur finde ich immer wieder unterschiedliche und widersprüchliche Angaben. Auch auf Wikipedia bekomme ich keine schlüssige Antwort. Was ist der Unterschied? Gibt es überhaupt einen? Welche Bezeichnung ist nun die richtige für die einzelnen buddhistischen Bauwerke?

Mrauk U Myanmar

Die hoffentlich richtige Antwort bekomme ich in der alten Königsstadt Mrauk U. Mein Guide Tom spricht exzellent Englisch und erklärt mir den Unterschied. Um eine Pagode kann man nur herumgehen, es gibt keinen Eingang. In eine Stupa kann man hineingehen, dort befindet sich meist eine Buddhastatue, man kann im Inneren nicht rund herum gehen. Ein Tempel hat mehrere Eingänge und man kann innen eine ganze Runde gehen.

Buddhafigur Pagode Mrauk U

Der Koe Thaung Tempel stammt aus dem 16. Jahrhundert und soll original über 90.000 Buddhafiguren enthalten haben. Ich spaziere durch die teilweise überdachten Gänge. Es ist sehr dunkel und nur kleine Wandöffnungen lassen einen Lichtstrahl ins Innere.

Koe Thaung Mrauk U Tempel

Überall stehen alte und zerbrochene Figuren. Die Tempelanlage ist Tag und Nacht frei zugänglich. Es gibt keine Überwachung oder dergleichen. Ob manchmal alte Buddhafiguren verschwinden? Mrauk U darf erst seit dem Jahr 1996 von ausländischen Touristen besucht werden. Nur 4.500 bis 5.000 Touristen verirren sich pro Jahr hierher.

 Koe Thaung Tempel Mrauk U Koe Thaung Tempel

„Es fehlt ein Flughafen,“ meint mein Guide Tom, dann würden sicher auch so viele Touristen wie nach Bagan kommen. Die Anreise nach Mrauk U ist derzeit nur über den Flughafen Sittwe und einer rund vier- bis fünfstündigen Bootsfahrt möglich. Soviel Zeit nehmen sich viele Besucher nicht. Die wenigen Touristen, die mir heute über den Weg gelaufen sind, treffe ich so ziemlich alle am Abend im Moe Cherry Restaurant, dem besten Restaurant der Stadt, wieder.

Myanmar Mrauk U.

Myanmar - Stadtrundfahrt in Sittwe

Nach drei erholsamen Tagen am Strand fliege ich rund 45 Minuten an der Küste entlang nach Sittwe. Die Stadt hat für Touristen wenig zu bieten und ist meist nur Durchgangsstation auf dem Weg nach Mrauk U.

Am Nachmittag sind ein paar Stunden Zeit und im Reisefieber Reiseprogramm ist eine kleine Stadtrundfahrt durch Sittwe vorgesehen. Ein Kloster und eine Pagode dürfen nicht fehlen. Spannend sind die alten Kolonialgebäude. Die Gebäude mit den aufwendigen Fassaden wirken trotzdem fehl am Platz.

Sittwe Kolonialgebäude Sittwe Pagode

Eine Prozession blockiert die Straße. Im Festtagsgewand marschieren Menschen im Gänsemarsch der Straße entlang. Drei kleine Buben werden morgen als Novizen für eine kurze Zeit ins Kloster gehen. Sie reiten auf Pferden dem wichtigen Ereignis entgegen. Es ist ein großes Fest für die Familie samt Nachbarschaft.

Umzug Sittwe Novizen Prozession

Meinen örtlichen Guide soll ich Tom nennen. Am späten Nachmittag setzt er mich am Strand aus. Er wartet rund 1 km weiter bei einem Aussichtsturm. Eine Unmenge an von der Sonne verblassten gelben, roten, grünen und blauen Sonnenschirmen stehen am Strand, sie spenden den bunten Plastiksesseln etwas Schatten.

Nur wenige Gäste haben Platz genommen und trinken Bier. Der starke Wind bläst mir Sand in die Augen. Aus Lautsprechern kreischt laute Musik. Es gibt schönere Orte für einen Sonnenuntergang.

Sittwe Strand Sittwe Strand Fussballer

Am Strand weiter vorne spielen mehrere Jugendliche Fußball. Ich beobachte sie und wundere mich, wie sie es schaffen beim Barfußspielen nicht auf Glasflaschen oder sonstigen Müll zu steigen. Ich mache mich auf dem Weg zum Treffpunkt. Ich treffe meinen Guide Tom und die jungen Paare aus Sittwe treffen sich zu einem Date.

Sittwe Aussichtsturm Sittwe Myanmar

„Meat Sandwish“ (sic!) oder „Fired Fish“ (sic!)? Die Speisekarte beim Abendessen sieht nicht sehr vertrauenswürdig aus.Ein Hahn stolziert im Restaurant herum. Er dürfte wohl der Chef sein. Er stolziert von Tisch zu Tisch und pickt Reiskörner auf, dann steigt er die Treppe in den ersten Stock hoch.

Nachdem er nochmals eine Runde durchs Lokal spaziert ist, setzt er sich auf einen kleinen Mauervorsprung und überblickt sein Reich aus rund zwei Metern Höhe. Den Kotspuren an der Mauer zufolge, dürfte das sein Stammplatz sein. Zur Ehrenrettung des Lokals sei aber erwähnt, dass die Thai Suup“ (sic!) zwar etwas scharf ist, aber trotzdem sehr gut schmeckt.

Speisekarte Myanmar Restaurant Sittwe