Reisedoktor

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Franz Roitner

Mayakultur auf der Halbinsel Yucatán

Heute steht ein weiteres Highlight auf der Mextrotter-Tour auf dem Programm, die alte Mayastätte Uxmal. Auf dem Weg dorthin, sozusagen als Einstimmung auf die Mayakultur, halten wir bei einer indigenen Mayafamilie. Reisegruppen, auch wenn sie sehr klein sind, die bei „Einheimischen“ einen Stopp einlegen, um die Lebensweise kennenzulernen, sehe ich immer misstrausich  entgegen. Ich habe da schon viele schlechte Erfahrungen gemacht, denn oft sind das dann nur Herzeigewohnungen für Touristengruppen, wo Souvenirs verkauft werden.

Maya Haus Maya Wohnung

Mit etwas Skepsis betrete ich das alte, mit Palmenblätter bedeckte Lehmhaus. Der Raum hat zwei, gegenüberliegende Türen, dazwischen ist eine große Hängematte angebracht. An den Wänden hängen Fotos der Familie. Auffallend ist ein kleiner Altar, eine Mischung aus Gegenständen der Mayakultur und des Christentums. Hernan, der Hausherr,  erzählt von der Bauweise der Häuser und zeigt, was in seinem Garten so wächst, Erdnüsse zum Beispiel. Der Besuch erweist sich als höchstinteressant und für ein wenig Trinkgeld reisen wir auch schon wieder weiter.

Maya

Tagesziel von heute ist Uxmal, eine der bedeutendsten Mayastätten auf der Yucatán-Halbinsel. Wieder stehe ich heute vor einer gewaltigen, fast 40 Meter hohen Pyramide. Angeblich wurde sie in nur einem Tag errichtet, aber das ist eine Legende und darum nennt man dieses Bauwerk auch Pyramide des Zauberers.

Uxmal Pyramide des Zauberers

Mayapyramiden habe ich auf der Reise schon einige gesehen, und jede ist wieder faszinierend anders und schön. Meine Aufmerksamkeit bei der Führung  mit einem „echten Maya“, so wie der örtliche Guide immer wieder betont, wird aber immer wieder abgelenkt. Auf den Steinen sitzen immer wieder Leguane. Gut getarnt, und meist ohne sich zu bewegen, sitzen die kleinen Drachen zwischen den historischen Stätten und geben dem gesamten Ambiente einen noch mystischeren Anklang.

Leguan in Mexiko Leguan in Uxmal

Als besonders sehenswert in Uxmal finde ich die aufwändig verzierten Gesimse  und Ornamente. Gut zu sehen sind diese vor allem im „“Nonnen-Viereck“. Dies ist ein Platz, der auf allen vier Seiten mit langgezogenen Gebäuden umgeben ist. Nonnen gab es hier aber zu Mayazeiten sicher nicht. Der Name kommt von europäischen Missionaren, denen die Anlage wie eine Klosteranlage vorkam.

Uxmal in Mexiko Nonnen-Viereck in Uxmal

Morgenspaziergang durch die alte Hafenstadt Campeche

Gestern sind wir aufgrund einer Straßensperre (Mexikos Lehrer streiken wieder einmal und blockierten Straßen im ganzen Land) sehr spät im Hotel in Campeche angekommen. Eigentlich wollte ich noch am Abend die Gassen von Campeche erkunden, aber ich war dann doch zu müde. Aufgefallen ist mir bei der nächtlichen Ankunft bereits eine Mauer, welche die Stadt umgibt. Die Stadtentdeckung starten wir also früh morgens.

Campeche Campeche Mexiko

Um 1540 entstand also hier die  spanische Siedlung Campeche aus einem alten Maya-Fischerdorf. In Folge wurde die Stadt wichtigster Handelshafen der Halbinsel Yucatán. Der Handel brachte Reichtum, und dieser wiederrum lockte Piraten nach Campeche. Immer wieder kam es hier zu Plünderungen und so entschloss man sich, eine Stadtmauer zu errichten. Diese umschließt die Stadt zwar heute nicht mehr zur Gänze, aber sie umgibt noch einen Teil der Altstadt, welches UNESCO Weltkulturerbe ist.

Calle 59 in Campeche Stadtmauer von Campeche

Ich besuche die Kathedrale im Zentrum der Stadt und wir spazieren dann über die Calle 59 vom Stadttor am Meer zum zweiten Stadttor, welches sich in Richtung Landesinnere befindet. Diese Straße ist Fußgängerzone und wo früher Autos durch die Stadt fuhren, stehen heute verschiedene Skulpturen.

Kathedrale in Campeche Reisedoktor in Campeche

Noch etwas prägt das Straßenbild von Campeche und eigentliche alle Orte und Städte, die ich bisher besuchte:  der VW Käfer. Kindheitserinnerungen werden wach, denn der VW Käfer war für mich das erste Auto, das ich am Schoß meiner Mutter auf meinem elterlichen Bauernhof lenken durfte.

VW Käfer

Der klassische VW Käfer ist im Süden Mexikos sehr präsent, er wurde in der mexikanischen Stadt Puebla bis ins Jahr 2003 gebaut. Wer kann sich nicht an das typische Rauschen des Motors erinnern?  Bunt sind sie in Mexiko, in allen Farben kurven sie durch die Straßen der Städte. Ach, früher baute man eben noch schöne Autos.

VW Käfer in Mexiko Mexiko VW Käfer

Palenque, die historische Mayastadt im Dschungel

Wir haben gestern die mexikanische Hochebene hinter uns gelassen und befinden uns ab jetzt in tieferen Lagen. Dementsprechend sind die Temperaturen gestiegen. Frühmorgens ist es schon schwülwarm. Bei unserer Ankunft am Parkplatz der historischen Mayastadt Palenque überfallen uns schon die fliegenden Händler mit Mückensprays. War es auf der bisherigen Reise mehr oder weniger Insektenfrei, so sollte sich  das ändern. Gut mit Sonnenmilch und Insektenspray eingecremt gehe ich  durch das Eintrittstor zu den Ruinen von Palenque.

Mayastaette in Palenque Mexiko Palenque

Die üppige Vegetation verdeckt die alten Ruinen. Mit jedem weiteren Schritt kommen die Tempel besser zum Vorschein, und nun stehe ich vor den bekannten Tempelpyramiden. Es ist wieder so ein Moment, wo einem der Atem wegbleibt. Die gesamte tropische Kulisse mit den alten Bauwerken  ist sehr eindrucksvoll.

Palenque

Einen noch besseren Ausblick habe ich vom Tempel des Kreuzes. Hier kann ich auch den Palast mit seinem Turm gut ausmachen. Der Turm diente früher wahrscheinlich als Sternwarte. Eine Gruppe der Mayas siedelte sich rund 100 Jahre n. Chr. hier an. Um das Jahr 700 n. Chr. dürfte die Stadt ihren Höhepunkt erreicht haben. Zu sehen sind heute nur mehr rund 50 Gebäude, Palenque dürfte aber in früheren Zeiten rund 10 Mal so groß gewesen sein.

Palast von Palenque Mayatempel in Palenque

Der Weg führt mich entlang eines kleinen Flusses hinunter zum 2. Eingangstor der Anlage. An einer Stelle führt der Weg über eine Hängebrücke. Hier fließt das Wasser über Kaskaden. Reste der historischen Dschungelstadt sind heute von Moos überzogen. Große alte Bäume stehen auf den alten Gemäuern, dicke Baumwurzeln schlingen sich über die Steinmauern. Der Anblick erinnert mich an die berühmten Khmer Tempel  in Kambodscha.

Wasserfall Palenque Dschungeltempel in Mexiko

Um 800 n.Chr. etwa gaben die Maya die Stadt auf. Der Grund für das Verlassen ist bis heute noch nicht wirklich bekannt. Man vermutet, dass aufgrund von Trockenperioden die Menschen in der Stadt nicht mehr ernährt werden konnten und eine  Hungersnot die Bewohner zwang aufs Land zu ziehen. Dieses Schicksal teilte  man sich höchstwahrscheinlich auch mit anderen Mayagruppen im heutigen Mexiko.

Palenque in Mexiko