Reisedoktor

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Franz Roitner

Taiwan: In der EVA Airways Zentrale in Taoyuan

Dr. Chang Yung-Fa gründete 1989 EVA Airways mit der Vision, eine der sichersten Fluglinie der Welt zu betreiben. Ich darf heute die Zentrale von EVA Airways in Taoyuan besuchen. In einer Ausstellung werden die wichtigsten Themen zur Sicherheit eines Fluges behandelt. In die Ausstellung werden in erster Linie Angehörige von EVA Air MitarbeiterInnen geladen. Die Sorge um das Familienmitglied soll hier gelindert werden.

Eva Air Flight Recorder Eva Air Zentrale in Taiwan

Neben technischen Details über Radar und Turbinen erfahre ich auch, dass der Sauerstoff aus den Masken nur etwa 15 Minuten reicht. Diese Zeit reicht aber locker aus, damit der Pilot das Flugzeug in tiefere Höhen lenkt.

Zum Abschluss der Führung bekomme ich noch einen Tipp auf den Weg. Ich solle mich vor jedem Flug vergewissern, dass sich die Schwimmweste auch tatsächlich unter dem Sitz befindet. Chinesische Passagiere nehmen diese nämlich gerne als Souvenir mit. Trotzdem fühle ich mich weiterhin in einem Flugzeug sicherer als in einem Auto oder Bus.

Eva Air Safety Gallery Eva Air Sauerstoffmaske

In fünf Flugzeugsimulatoren trainieren Piloten regelmäßig diverse Manöver. Es sind alle Simulatoren in Betrieb und so habe ich leider nicht die Möglichkeit einen Start auf einer Boing 777 durchzuführen. Die sündteuren Geräte sind im Dauereinsatz. Safety first, die Piloten sollen auch hier für unsere Sicherheit üben.

Eva Air Flugsimulator

In der Halle daneben steht ein Teil eines Flugzeugs. Junge Stewardessen üben gerade den Sprung über die Wasserrutsche. Wer das Manöver nicht perfekt beherrscht, muss nochmals in die Maschine und solange rutschen bis der Ablauf in Fleisch und Blut über geht.

Eva Air Training Training Stewardessen Eva Air

Das Öffnen der Flugzeugtür wird genauso geübt wie das Verhalten im Brandfall oder bei einer Notwasserung. Es ist hochinteressant, wie viel Zeit, Geld und Energie in die Flugsicherheit investiert wird. Ich könnte noch stundenlang Fragen stellen, die Zeit in der EVA Airways Zentrale ist aber begrenzt und ich bin dankbar, die Möglichkeit für den Besuch gehabt zu haben.

Eva Air Notausstieg Eva Air Flugsicherheit

Taiwan: Ich besuche die Stadt Tainan

Der Tainan Konfuzius Tempel wurde 1665 errichtet und war so etwas wie die erste Schule auf der Insel Taiwan. Heutzutage wird hier auch noch gelehrt, nämlich Tai Chi. „Wer Tai Chi Chuan regelmäßig übt, wird stark wie ein Holzfäller, geschmeidig wie ein Kind und gelassen wie ein Weiser“ sagt ein chinesisches Sprichwort. 

Der Meister ist bereits 78 Jahre und erklärt die Philosophie und Grundbewegungen der chinesischen Kampfkunst. Viele Schulklassen sind im Tempel zu Besuch. Sie lernen über die Geschichte ihrer Heimat und so ist der Konfuzius Tempel bis heute ein Ort um zu lernen.

Thai Chi Taiwan Konfuzius Tempel

Ich lerne beim nächsten Besichtigungspunkt, dass die Holländer 1653 in Tainan das Fort Provintia errichtet haben. Zu sehen ist davon fast nichts mehr. Auf dem Gelände stehen jetzt nebeneinander zwei Gebäude, die gemeinsam Chikan-Turm heißen.

Fort Provintia Taiwan Fort Provintia Tainan

Dicke lange Wurzeln kleben wie Tapeten an alten Ziegelmauern. Luftwurzeln streichen mir von oben über den Kopf. Sie hängen wie meterlange Haare von den dicken Ästen, die das alte Dach des Anping Tree House schon weit überragen. Von einer Besucherplattform betrachte ich, wie sich hier die Natur ihren Lebensraum rückerobert und das alte Gebäude über die Jahrzehnte immer mehr verschwinden lässt.

Anping Tree House

Im Viertel um den Anping Kaitai Matsu Temple befindet sich die älteste Straße von Taiwan. Ob das den Tatsachen entspricht, kann ich nicht beurteilen, auf jeden Fall funktioniert die Vermarktung sehr gut. Viele Besucher drängen sich durch die enge Gasse.

Eine große Auswahl an Souvenirs gibt es zu kaufen. Ich spaziere durch die entzückenden Nebengassen mit kleinen Geschäften und Kaffeehäusern. Die kunstvoll bemalten Häuserwände verleihen dem Viertel noch zusätzlich Flair.

Älteste Straße von Taiwan Streetart Taiwan

Im Shui Xian Gong Markt haben nur mehr vereinzelt Stände geöffnet. Ein paar handtellergroße Krabben zappeln auf der grünen Unterlage. Die zusammengebundenen Scheren verhindern die Flucht. Im dunklen überdachten Marktgelände sehe ich weiter hinten noch ein Licht brennen.

Eine Frau zerlegt gerade einen großen Thunfisch. Muscheln und Wasserschnecken liegen in roten runden Plastikbehältern und verharren darauf, gekauft und verspeist zu werden.

Shui Xian Gong Markt in Tainan Thunfisch am Markt in Taiwan

Ein Netz hält lebende Frösche gefangen. Während ich fotografiere, springt ein Frosch in die Höhe und versetzt mir einen ordentlichen Schrecken. Daneben liegen ein mit Blut verschmiertes Holzbrett und ein Schlachtmesser. Andere Frösche haben den Schlachtplatz schon passiert.

Frösche Taiwan Markt

Taiwan: Abends in Tainan

Die bunten Leuchtreklameschilder hängen wie Kunstwerke an den Häusern am Straßenrand. Tainan ist die älteste Stadt auf der Insel und mittlerweile zu einer Millionenstadt angewachsen.

Tainan bei Nacht

Gelbe und rote Lampions leuchten den Weg zum Tiangong Tempel. Auf dem Schild am Eingangstor steht: „Make sure you bring your cameras here if you are a devout travel blogger, as there would be plenty to write about“.  Das mache ich gerne.

Lampions Tainan Tiangong Tempel

Die taoistische Tempelanlage liegt mitten in der Stadt und hat sich ein authentisches Flair erhalten. Der Duft von Räucherstäbchen liegt in der Luft. Er mischt sich mit den Gerüchen der vielen frischen Blumen, die den Tempel schmücken und als Opfergaben gebracht werden.

Tempel Tainan Tiangong Tempel Tainan

Zu Fuß gehe ich noch zur Shennong Old Street. Es ist bereits nach 22 Uhr. Viele der kleinen Geschäfte haben bereits geschlossen. Beleuchtete Lampions hängen an manchen Häusern vor den verschlossenen Läden. 

Shennong Old Street

Am Ende der Fußgängerzone verspricht eine bunte beschriftete Kreidetafel das beste Bier der Welt. Daneben steht auf der schmalen Straße ein großer Tisch mit zwei Bänken. Zeit für ein Craft-Beer, Zeit sich die letzten Tage nochmals durch den Kopf gehen zu lassen. Zeit für ein zweites Bier um die Eindrücke von Taiwan zu verarbeiten.

Straßenlokal in Tainan Tainan Bier