Reisedoktor

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Franz Roitner

Äthiopien: In der Hauptstadt Addis Abeba

Punktgenau um 09:07 Uhr (also 7 Minuten zu spät) sperrt das Nationalmuseum von Addis Abeba auf. Ich bin heute der erste Besucher. Im schummrigen Keller liegt eine Kopie der Skelettreste Lucie, der „Großmutter von Äthiopien“. Würde Lucie heute noch leben, wäre sie rund 3,2 Millionen Jahre alt. Lucie würde heutzutage auffallen, den ihr Körper war nur 105 cm groß.

Nationalmuseum Äthiopien Lucie Äthiopien

Auch die Körperproportionen haben sich geändert, mir fallen die langen Arme und langen Finger auf. Aus den wenigen Knochen, die man 1974 gefunden hat, wurde ein komplettes Skelett nachkonstruiert. Es zählt zu den ältesten Funde menschlicher Vorfahren. Über 3,000.000 Jahre alt, wenn ich mir die Nullen dazudenke, das ist schon ein beachtlicher Zeitraum.

Lucie Addis Abeba

Die Hauptstadt von Äthiopien ist keine Schönheit. Wolkenkratzer neben Barackensiedlungen, dazwischen unzählige Rohbauten, die auf Fertigstellung warten. Von einem Hügel aus blicke ich über die Millionenstadt Addis Abeba.

Addis Abeba Addis Abeba Stadtansicht

Marokko: Wanderung über Sanddünen

Kurz vor Sonnenuntergang legt sich der Wind. Dies ist die schönste Zeit in der Sandwüste. Die der Sonne zugewandten Seiten der Sanddünen färben sich in rötliche Farben, die sich von Minute zu Minute ändern. Die der Sonnen abgewandten Seiten werden dagegen fahlgrau. Der leichte Wind weht Sandkörner über die Dünenkante.

Zeltplatz Marokko Sandwüste in Marokko

Meine Beine sind überraschenderweise nach der viertägigen Wanderung gut in Form. Ich stampfe langsam durch den tiefen Sand. Auf der Leeseite versinke ich fast bis zu den Knien in den weichen Sanddünen.

Wandern in Marokko

Jetzt hinsetzen und die letzten Sonnenstrahlen der untergehenden Sonne genießen. Die Wüste, einfach ein Traum. Dann erschrecke ich kurz vor dem eigenen, leisen Summen: „Das Wandern ist des Müllers Lust, das Wandern ….“

Sonnenuntergang in der Sandwüste

Wüstenwanderung in Marokko im Dezember

Wie ein nasser Sack falle ich auf die blauen, vier Zentimeter dicken Liegematten im großen Aufenthaltszelt. Knapp fünf Stunden Wüstenwanderung in Marokko liegen hinter mir.

Kamele Marokko

Sand in den Augen, in den Ohren, zwischen den Zähnen und Zehen. Sand vor allem auch im Zoom meiner Kompaktkamera. Der Sensor ist noch ziemlich sauber, nur ein paar kleine Flecken sind auf den Fotos zu sehen. Beim Zoomen knirscht es ordentlich und ab dem Dreifachzoom bleibt das Objektiv stecken. Hauptsache die Kamera lebt überhaupt noch.

Wüstenwanderer in Marokko

Während die Wanderprofis die Schlafzelte wie fleißige Ameisen aufbauen, habe ich nur mehr die Kraft, meine Augen zu schließen. Ich zähle die Sandkörner auf meinem Augapfel und bevor ich kurz wegschlummere, schießen mir die Bilder vom heutigen Tag durch den Kopf.

Dünengipfel Marokko Sanddünen

Ich träume von den Sternschnuppen der letzten Nacht. Bevor der volle Mond die Nacht erhellte, überzog ein Sternenteppich die Himmelskuppel. Begeistert von der nächtlichen Kulisse hatte ich keine Wünsche parat. Ich überlegte mir einen Wunsch bis zur nächsten Schnuppe, das Leuchten der Abermillionen Sterne war aber so eindrucksvoll, dass ich beim nächsten Himmelsblitz wieder ohne Wunsch im Sand stand.

Lagerfeuer Zeltnacht Marokko