Reisedoktor

Reisedoktor

Franz Roitner

Marokko: Camping und Wandern in der Wüste

Die helle Vollmondnacht war kalt. Ich bin froh, noch zwei Tage vor der Reise in einen -2° C Komfortbereich Schlafsack investiert zu haben. Nur der nächtliche Gang auf die Wüstentoilette unterbrach meine angenehme Nacht im Zelt. Ich nehme mir vor weniger Minztee zu trinken.

Marokko Wüste Camping

Der gleiche Tee, der mich in der Nacht kurz frieren hat lassen, wärmt mich jetzt am frühen Morgen. Die Morgensonne tut gut und ich lege schon mal die erste Schicht Kleidung ab. Das Frühstück im Wüstensand hebt meine Stimmung, ich sehe dem heutigen Tag schon positiver entgegen.

Frühstück in der Wüste

„Jalla, jalla“ ruft unser Wüstenguide und wir ziehen mit unserer Karawane weiter. Neun Dromedare, vier Dromedarführer, Ibrahim der Koch und Abdellha, unser Tourführer begleiten uns.

Dromedare Wüstenwanderung

Ein Dromedar ist immer bei uns Wanderern. Es versorgt uns mit Wasser, Datteln und Nüssen und trägt auch schon mal einen Müdbeinigen.

Kamel Karawan Begleitdromedar Wanderung

Marokko: Auf zur Wüstenwanderung

„Das Wandern ist des Müllers Lust, das Wandern ist des Müller Lust,…“ dieses Lied mochte ich als Kind schon nicht singen. Den Text verstehe ich auch heute noch nicht wirklich, was hat der Beruf Müller mit dem Wandern zu tun? „Das Wandern ist des Müllers Lust, …“ summe ich mit Falten auf der Stirn weiter, denn das Wandern, das zählt nicht zu meinen liebsten Freizeitbeschäftigungen.

Marokko Wüstenwanderung

Der Reiz der Wüste war stärker als meine Abneigung zur Wanderschaft. Ich mache mich auf den Weg in die Sahara. Auf dem Rücken mein nagelneuer tiefblauer Wanderrucksack mit drei Litern Trinkdepot, das mich vor dem Verdursten retten soll.

Marokko Wüste Wanderung Ausrüstung

Die neuen Wanderschuhe sind fest verschnürt, die roten Wanderstöcke fest von meinen Fingern umklammert. Ein Cowboyhut mit breiter Krempe schützt mich vor der Sonne und die Sonnenbrille vor Sand in den Augen.

Tromedar Marokko Wüste

So ziehe ich wie ein Außerirdischer mit sechs Leidensgenossen los. Deren Augen glänzen vor Freude auf die nächsten vier Tage. Meine Augen glänzen auch, was habe ich mir nur dabei gedacht, an einer Wüstenwanderung teilzunehmen. „Jalla!“ ruft unser Wüstenführer, also „gemma“ los, die Wanderprofis und ich.

Wüstenwanderung Marokko

Botswana - alleine in der Kalahari

Das Central Kalahari Game Reserve ist das größte zusammenhängende Wildschutzgebiet in Afrika. Die Fläche ist etwa so groß wie Slowakei. Mit meinem Bushlore Landcruiser mache ich mich bei Sonnenaufgang auf den Weg. 

Matswere Gate Kalahari Pisten in der Kalahari       

Die Weite scheint unendlich zu sein. Die Tierdichte ist momentan nicht so hoch wie im Chobe Nationalpark an der Riverfront. Das Wasser aus der Regenzeit ist bereits versickert und die „Pans“ sind vollkommen ausgetrocknet. Von Wasser weitgehend unabhängig leben hier Oryxantilopen und Springböcke.

Oryx Antilope Springböcke Kalahari

Lustig zu beobachten sind die Löffelhunde. Deren Ohren sind fast so groß wie der gesamte Kopf. Wenn sie ihre Ohren anlegen, sehen sie fast so aus wie Golum aus dem Film Der Herr der Ringe.

Löffelhund

Stundenlang kurve ich den gesamten Tag auf den Sandpisten herum. Erst am Abend begegnet mir ein weiteres Auto. Ein paar Campingplätze liegen weit verstreut in der Kalahari. Mein Stellplatz ist nur für ein  Auto zugelassen. Die nächsten Camper sind also mindestens 20 km weit entfernt.

Streifenhörnchen Central Kalahari Game Reserve

Mit der untergehenden Sonne verschwindet auch das Zwitschern der Vögel. Ich erinnere mich daran, dass meine neue Stirnlampe am Haltegummi eine kleine Pfeife integriert hat. Ich blase vorsichtig hinein und Sekunden später taucht ein Falke über mir auf und scheint die Lärmquelle prüfen zu wollen.

 Je dunkler es wird, umso mehr Sterne kommen zum Vorschein. Die Luft ist vollkommen trocken, kein Streulicht weit und breit, keine Luftverschmutzung. Der Sternenhimmel beginnt immer mehr zu leuchten. Dazu vollkommene Stille. Alleine mitten in der Natur. Es ist eine Ehre und ein Geschenk heute hier sein zu dürfen.

Sonnenuntergang Kalahari