Reisedoktor

Reisedoktor

Franz Roitner

Werbung

Reiseangebote

Blogbeiträge nach Ländern

Botswana - Camping im Moremi Game Reserve

Mein heutiger Campingplatz am North Gate im Moremi Game Reserve ist wie viele andere in Botswana nicht eingezäunt. Mit Tierbesuchen ist zu rechnen. Nach über zwei Wochen Camping habe ich Routine im Lagerfeuer machen und habe schon stundenlang in die Glut geschaut. Das ist spannender als jedes Fernsehprogramm.

Moremi North Gate North Gate Moremi Camping

Das Lagerfeuer wärmt mein Gesicht. Der leichte Wind dreht sich immer wieder und bläst mir den Rauch entgegen. Um nicht dem Erstickungstod zu erliegen, rücke ich mit meinen Campingsessel wie bei der Reise nach Jerusalem ständig um das glühende Holz.

Lagerfeuer Botswana

Immer wieder raschelt es im Gebüsch. Anfangs leuchte ich noch gespannt mit meiner Taschenlampe um etwaige Tiere zu erkennen. Mit der Zeit gewöhne ich mich aber an das Rascheln. Es ist stockdunkel und außer dem Lagerfeuer und meiner Taschenlampe gibt es kein Licht. Plötzlich höre ich ein Geräusch das irgendwie anders klingt. Größere Äste vom Buschwerk scheinen sich zu bewegen. Ich leuchte mit meiner Lampe auf die Stelle.

  Hyäne bei Nacht 

Eine ausgewachsene Tüpfelhyäne mit einer Schulterhöhe von geschätzten 80 cm kommt zwischen den Zweigen hervor. Die beiden Augen reflektieren mein Taschenlampenlicht. Die Hyäne schaut mich an, macht einen Bogen um mich und schleicht wieder davon. Zweimal dreht sie sich um und schaut in meinen Lichtkegel. Dann verschwindet sie im Dunkeln der Nacht. Mein Puls ist auf 200. Ich schreite die Distanz zu den Fußspuren ab und messe acht Meter Entfernung. Der nächste Campingstellplatz ist rund 70-80 Meter entfernt, mein Campingfahrzeug und ich sind quasi von Büschen umgeben. Wie viele Tiere mögen hier in der Nacht herumschleichen?

Moremi Game Reserve Xakanaka Camping

Am nächsten Tage beziehe ich den Xakanaxa Campingplatz im Moremi Nationalpark. Mein Stellplatz liegt hinter hohem Schilfgras direkt am Wasser des Okavangodeltas. Ich inspiziere die Fußspuren im Sand. Ein Elefant dürfte heute schon durch das Camp gegangen sein. Antilopenspuren, wahrscheinlich von Impalas, sind ebenfalls gut zu erkennen. Auch Spuren von einem Löwen finde ich auf der Zufahrt. Vögel zwitschern und singen in den Bäumen. Ein Specht klopft unaufhörlich in dem großen Baum hinter mir. Affen laufen in Sichtweite vorbei. Im Hintergrund höre ich die typischen Geräusche von Flusspferden. Was hat Mutter Natur sich nur bei den Lauten der Hippos gedacht?

Flusspferd - Mensch - Elefant Löwenspur

Die dritte und vierte Nacht im Moremi Game Reserve verbringe ich im Third Bridge Campsite. Der Platz im Nationalpark liegt hinter der gleichnamigen Brücke, von der derzeit nur die Hälfte übrig geblieben ist. Den zweiten Brückenabschnitt fahre ich durch 70 cm tiefes Wasser. Ich spüre die Holzbalken im Wasser.

Third Bridge Campsite

Ich sitze beim Lagerfeuer und höre wieder den Flusspferden zu. Die Laute sind ganz in der Nähe. Nachts kommen die Tiere an Land um zu fressen. Mit meiner Taschenlampe sehe ich ein Koloss im Gebüsch an meiner Campingstellfläche vorbeigehen.

Flusspferd bei Nacht

Ich blicke auf meine Uhr, es ist 3:35 Uhr früh. Von weitem höre ich das Brechen von Ästen. Elefanten dürften in der Nähe sein. Ich lausche dem lauten Knacken des Holzes und dem Rascheln der Blätter. Plötzlich höre ich nahe Geräusche. Schleicht hier jemand ums Auto herum? Außer ein paar Campingplatzbesucher sind wir mitten in der Wildnis. Das sind keine Menschen.

Neugierig öffne ich den inneren Reißverschluss von meinem Dachzelt. Dann den Reißverschluss des Fliegengitters. Mein Taschenlampe habe ich griffbereit. Unglaublich, ein Leopard schleicht am Stellplatz herum. Ich dürfte ihn aber gestört haben und er geht langsam davon.

Leopard bei Nacht

Der Leopard war kein Traum. Den Rest der Nacht träume ich aber von Tieren, die ich von meinem Zeltfenster aus beobachte. Die Campingplätze in Botswana sind meist sehr groß. Den Nachbarn sehe ich oft gar nicht. Zu den Duschen und zum WC fahre ich in der Früh mit dem Auto. Die Straße bleibt heute ein paar Minuten von Elefanten blockiert. Denen habe ich es zu verdanken, dass ich in der Nacht aufgewacht bin und den Leopard gesehen habe.

Blick aus dem Dachzelt Campingplatz Elefanten